Bienen im Hoforganismus

Das Forschungsring-Projekt „Bienen im Hoforganismus“ (BiHo) untersucht die Rolle der Bienen auf Bauernhöfen

Der Forschungsring e.V. hatte in den Jahren 2022-2024 ein Projekt „BienenHaltenHof“ (BHH) durchgeführt, bei dem 6 Betriebe in Norddeutschland und 6 Betriebe in Süddeutschland die Bienenhaltung auf ihren Höfen neu eingeführt haben. Dazu wurden den Bewirtschafter:innen jeweils drei Bienenvölker zur Verfügung gestellt und sie wurden online und vor Ort von zwei Fachbetreuern intensiv begleitet und geschult. Dabei konnten die Höfe zwischen verschiedenen Typen von Bienenkästen wählen. Zusätzlich wurde sowohl im Norden als auch im Süden  je ein Systemvergleich mit den verschiedenen Bienenkästen in vierfacher Wiederholung angelegt. Die Fachbetreuer führten die Systemvergleiche durch, um über eine Vielzahl erhobener Daten eventuelle Unterschiede in der Eignung der Bienenkasten-Typen für die Bienenhaltung auf Bauernhöfen herauszufinden.

Das wichtigste Ergebnis des Projektes:
Die Einführung von Bienenhaltung auf Bauernhöfen kann sehr gut funktionieren! Fast alle Höfe haben die Zahl der Bienenvölker im Projektverlauf erhöht und wollen die Bienenhaltung auf jeden Fall beibehalten.

Allerdings sollten Voraussetzungen wie genügend Zeit und Betreuungspersonal für die Bienenhaltung gegeben sein. Oft sind es die z.B. Altenteiler oder andere Familienmitglieder, die sich bei der Betreuung der Bienen mit einbringen. Bei der Wahl der Bienenkästen ergaben sich unterschiedliche Vorlieben – auch davon abhängig, inwieweit der Honigertrag im Vordergrund steht.

Auffallend waren auch die Berichte der Menschen auf den Höfen, dass durch die Anwesenheit von Bienen auf dem Hof die Atmosphäre, die Stimmung auf dem Hof spürbar beeinflusst wird.

Im Projekt gab es etwa folgende Aussagen von den Bäuerinnen und  Bauern:

„Sie tun meiner Seele gut!“; „Ihre Anwesenheit ist beruhigend.“; „Es ist ihre Ausstrahlung, ihre Aura, mit der der Hof bereichert wird.“; „Wenn sie nicht mehr da wären – es gäbe ein „Loch“!“; „Nach einem anstrengenden Tag – 10 Minuten bei den Bienen, und man kommt wieder zur Ruhe und es ist alles gut!“

Diese Erkenntnisse und Aussagen führten dazu, dass der Forschungsring e.V. im Mai 2025 das Projekt „Bienen im Hoforganismus auf Demeter-Höfen“ (BiHo), Laufzeit Mai 2025 bis April 2026, mit Hauptförderung durch die MAHLE STIFTUNG GmbH startete.

Zum einen runden wir das im Dezember 2024 beendete Projekt „BienenHaltenHof“ ab, indem  wir die bestehenden Daten um ein zusätzliches Jahr ergänzen. Der systematische Vergleich von vier verschiedenen Bienenbehausungen, die sich in der vorgesehenen Eingriffsintensität unterscheiden und die wir hinsichtlich ihrer Eignung für eine bäuerliche Bienenhaltung bewerten, bekommt ein zusätzliches viertes Jahr der Datenerhebung, damit wir die Ergebnisse aus den vergangenen Jahren besser absichern können.

Erstmalig begeben wir uns jedoch auf die Suche nach Ansätzen, wie sich die Rolle der Bienen im landwirtschaftlichen Hoforganismus erfassen lässt. Rudolf Steiners Vorstellung der Einbettung der Honigbienen in die Landwirtschaft hat dazu geführt, dass die Imkerei-Richtlinien bei Demeter nahelegen: „Aus diesem Grund ist eine Bienenhaltung für jeden Demeter-Betrieb anzustreben.“

Gegenwärtig scheint dies jedoch nur bei wenig Demeter-Höfen Realität zu sein, ein genauer Überblick fehlt. Daher haben wir zunächst recherchiert, auf wie vielen Demeter-Höfen Bienen in welcher Form gehalten werden.

Des Weiteren wollen wir gemeinsam mit Expert:innen im Rahmen eines Workshops Konzepte erarbeiten, um die biodynamische Vorstellung eines „Hoforganismus“ für die Erforschung landwirtschaftlicher Betriebe – am Beispiel der Honigbienen – anwendbar zu machen.

Uns bewegt die Frage, wie die Reintegration der Bienen in den landwirtschaftlichen Betrieb mit der Steigerung der betrieblichen Biodiversität einhergehen kann und wie die Biene als landwirtschaftlich relevantes Nutztier den Organismus „Hof“ formt. Gemeinsam mit Expert:innen möchten wir überprüfbare Hypothesen finden, was die Bienen zum Hoforganismus auf natur-, sozial-, und geisteswissenschaftlicher Ebene beitragen und ihre Rolle darin genauer untersuchen und beschreiben. Unser langfristiges Ziel ist es, das Interesse an Bienenhaltung auf Höfen zu wecken und Landwirt:innen dabei zu unterstützen, eine eigene Bienenhaltung auf ihrem Demeter-Betrieb aufzubauen.

Die Umfrage auf Demeter-Höfen zeigt, dass lediglich 34 Demeter-Bauernhöfe von etwa 1800 Betrieben selbst Bienen halten. Auf 19 dieser Höfe sind die Bienen Demeter zertifiziert.

Die Befragung der bienenhaltenden Höfe nach der speziellen Rolle ihrer Bienen auf den Höfen kann vielleicht mit einer der Antworten repräsentiert werden:

„Die Bienen sind mit ihrem Organismus Vorbild und Bindeglied zwischen allen Ebenen – ohne die Bienen würde diese Bindung fehlen.“

Im Rahmen eines Expert:innen-Workshops mit Teilnehmenden aus Forschung, Beratung und Praxis sollte ein Konzept des Hoforganismus erarbeitet werden, mit dem die Rolle der Bienen darin für die wissenschaftliche Forschung zugänglich wird. Auf dieser Grundlage können zielführende Forschungsfragen entwickelt und geeignete methodische Ansätze zur Beantwortung der Fragen identifiziert werden. Durch den trans-disziplinären Ansatz stellen wir sicher, dass das Forschungskonzept die Impulse und Bedarfe der verschiedenen Akteursgruppen einbezieht.

Der Workshop hat Anfang Dezember mit 21 Personen stattgefunden und befindet sich zurzeit in der Auswertung.

In der Zusammenstellung der Teilnehmenden aus Forschung, Beratung, imkerlicher und landwirtschaftlicher Praxis gelang eine konzentrierte Zusammenschau zu Fragen wie:

Was zeichnet einen Hoforganismus aus? Wie kann der individuelle Hoforganismus wahrgenommen werden? Welche Hypothesen können zur Erforschung von Hoforganismus und die Rolle der Bienen darin formuliert werden?

Im ersten Überblick zeichnen sich Antworten ab wie:

Der Gesamtheit eines individuellen Hoforganismus aus Menschen, Tieren, Pflanzen, Landschaft kann man sich nähern über „Anamnesen“ der „Gesundheit“ der Organe, aber auch mit geschultem Einfühlen und Beobachten.

Auch das Aufspüren und Erforschen der Rolle der Bienen braucht Wahrnehmungs-Übung, auch für feinstoffliches Wirken, eventuell mit bildschaffenden Methoden anhand von Bienenprodukten, Erfassung der Biodiversitäten im Hofumfeld – oder, wie ein Teilnehmer sagte: „Fragt die Kinder!“

Mit den Projektergebnissen wollen wir Empfehlungen sowie Anforderungen und Erfolgsfaktoren für eine Bienenhaltung im Hoforganismus von Demeter Betrieben zusammentragen und ein Konzept zur weiteren Erforschung der Beziehung Honigbienen – Hoforganismus erarbeiten.

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